Versorgungssicherheit · Kritikalität
Kritische Arzneimittel risikobasiert bewerten und Versorgung priorisieren
Wir verbinden medizinische Versorgungskritikalität mit Alternativen, Lieferkettenabhängigkeit, Bestand, Wiederbeschaffungszeit und belastbaren Frühwarnsignalen. Das Ergebnis ist keine pauschale Engpassprognose, sondern eine dokumentierte Entscheidungsgrundlage für Prävention, Eskalation und Business Continuity.
Kritikalität fachlich definieren
Indikation, Versorgungsrelevanz, verfügbare Alternativen, Umstellungsaufwand, betroffene Patientengruppen und Zeit bis zur Auswirkung bestimmen die medizinische Dimension.
Lieferkettenrisiko getrennt bewerten
Herstell- und Bezugsstruktur, Lieferzeit, Abhängigkeiten, Marktverfügbarkeit, regulatorische Einschränkungen und belastbare Alternativwege werden als eigene Risikodimension dokumentiert.
- Keine unbekannten Hersteller- oder Kapazitätsdaten erfinden
- Amtliche Engpass- und Versorgungsinformationen mit Datum referenzieren
- Bestand und Reichweite nur aus freigegebenen internen Daten ableiten
Kritikalitätsliste, Engpasssignal und internes Risiko trennen
Die Union List der EMA beschreibt medizinische Kritikalität anhand Krankheitsschwere und verfügbarer Alternativen; sie ist keine tagesaktuelle Lieferengpassliste. BfArM-Signale, konkrete Produktverfügbarkeit und interne Bestands- oder Lieferdaten werden deshalb mit Quelle und Stichtag als getrennte Ebenen geführt.
- Wirkstoff-, Produkt-, Packungs- und Marktebene nicht vermischen
- Quelle, Abrufdatum und Gültigkeitsbereich je Signal festhalten
- Nichtfund und fehlende interne Daten als Unsicherheit kennzeichnen
Risiko in Schwellen und Entscheidungen übersetzen
Kritikalität und Lieferwahrscheinlichkeit werden nicht zu einer Scheingenauigkeit verrechnet. Definierte Schwellen lösen Recherche, Bestandsprüfung, Beschaffungsalternative, medizinische Abstimmung oder Kriseneskalation aus.
Maßnahmen testen und laufend überprüfen
Verantwortliche, Datenstand, Annahmen, Auslöser, Fristen und Wirksamkeitskriterien werden im Maßnahmenregister geführt. Übungen prüfen, ob Kommunikation, Entscheidung und Ersatzwege unter Zeitdruck funktionieren.
Risikobewertung mit einem belastbaren Projektbrief starten
Für eine erste Abgrenzung genügen das betroffene Produkt- oder Wirkstoffportfolio, Zielmarkt, Versorgungsrolle, vorhandene Alternativen, bekannte Bezugswege, Datenstand und gewünschter Entscheidungszeitpunkt. Im Projekt werden daraus ein nachvollziehbares Risikoregister, definierte Schwellen, Verantwortlichkeiten und priorisierte Maßnahmen; medizinische Einzelfallentscheidungen und nicht belegte Kapazitätsprognosen bleiben ausdrücklich außerhalb des Leistungsversprechens.
- Portfolio, Markt und Versorgungsrolle benennen
- Verfügbare Bestands-, Verbrauchs- und Lieferdaten mit Stichtag angeben
- Entscheidung, Eskalationsrolle und benötigten Termin festlegen
Amtliche Grundlagen und aktuelle Lagebilder
Häufige Fragen
Was macht ein Arzneimittel versorgungskritisch?
Nicht der Umsatz allein. Relevant sind unter anderem medizinische Bedeutung, fehlende oder schwer umsetzbare Alternativen, betroffene Patientengruppen, Reichweite, Wiederbeschaffungszeit und Abhängigkeiten in der Lieferkette.
Ist die EU-Liste kritischer Arzneimittel eine Engpassliste?
Nein. Kritikalität und ein aktuell gemeldeter Lieferengpass sind unterschiedliche Signale. Beide müssen mit konkretem Markt, Produkt und Datenstand eingeordnet werden.
Welche Daten braucht eine Risikobewertung?
Mindestens Produkt- und Indikationskontext, Alternativen, aktuelle amtliche Signale, Lieferzeiten, Bezugswege, Bestände, Verbrauch, Reichweite, offene Bestellungen und definierte Eskalationsrollen. Fehlende Daten werden als Unsicherheit ausgewiesen.